Differenziert


Differenziert

Was ist „Känguru“?

Känguru ist ein Sprachförderprogramm für Kinder mit Migrationshintergrund im Alter von 18-36 Monaten.


Die Kinder greifen hierbei auf einen Erwerbsmechanismus zurück, welcher den Erwerb als Muttersprache ermöglicht.
Dem Kind wird ein qualifizierter, systematisch strukturierter sprachlicher Input angeboten, der es ihm ermöglicht, die Regeln der deutschen Wort- und Satzbildung zu erwerben.

Parallel werden die Eltern angeleitet, ihre Kinder in diesem Lernprozess aktiv zu unterstützen, indem sie gemeinsam mit ihren Kindern an den Sitzungen teilnehmen. Es wird ihnen Wissen über den normalen, schrittweisen Spracherwerb vermittelt und sie lernen, zahlreiche sprachfördernde Verhaltensweisen anzuwenden. Sie erfahren darüber hinaus, wie sie den bilingualen Spracherwerb positiv beeinflussen können. Das eigene Interesse der Eltern an der deutschen Sprache hat hierbei eine wichtige Vorbildfunktion für die Kinder.

 Wie werden die Eltern eingebunden?

Die Einbindung der Eltern erfolgt durch eine Teilnahme am Kurs, so dass die Eltern ihre Kinder aktiv unterstützen können. Dadurch werden sie direkt zum häuslichen Üben angeleitet. Nehmen statt der Eltern Betreuer, Erzieher oder andere Bezugspersonen teil, können diese den Transfer begleiten.

 

Warum bezieht Känguru die Eltern mit ein?

Als primäre Bezugspersonen nehmen Eltern eine Schlüsselfunktion ein. Pflege und Betreuung sowie Bildung und Erziehung finden parallel statt und stehen in einem engen Verhältnis zueinander. Die Aufnahmefähigkeit eines Kleinkindes für Lernangebote ist in erster Linie durch die Beziehungsstrukturen und die Interaktionsdichte zwischen Bezugsperson und Kind bestimmt.

Wie lange dauert ein Kurs?

Unserer Erfahrung nach ist ein Kurs von 1 Stunde pro Woche über 6 Monate ausreichend

 Wann sollte der Kurs durchgeführt werden?

Sehr effektiv ist die Durchführung vor der Aufnahme in den Kindergarten. Die Kinder haben durch „Känguru“ die Chance, mit Eintritt in den Kindergarten die Umgebungssprache Deutsch nicht als fremd zu erleben. Durch die positiven Erfahrungen in der Gruppe wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt, so dass sie sich später leichter als Mitglied der deutsch-sprechenden Kinder erleben und sich leichter sozialisieren. An den Bildungsangeboten der Kita können sie sofort teilhaben und davon profitieren.

 

Warum so früh?

Die frühe Kindheit stellt aus entwicklungspsychologischer Sicht eine der wichtigsten Phasen dar, da die Gehirnstrukturen in dieser Zeit zur extrem raschen Nutzung von Informationen aus der Umgebung in der Lage sind und in Abhängigkeit von Umwelterfahrungen bereits in dieser Entwicklungsphase ausdifferenziert werden. Daraus ergibt sich ein kumulativer Effekt für die Entwicklungsergebnisse. Je erfolgreicher die einzelnen Entwicklungsaufgaben gemeistert werden, desto günstiger sind die Bedingungen für die nachfolgenden Bewältigungen.

Oder umgekehrt: Je unvollständiger ihre Meisterung ohne nachträgliche Kompensation, umso ungünstiger die Bedingungen für die nachfolgende Bewältigung.

 Auch aus ökonomischer Sicht: Je früher, desto besser:

Auf Grund der Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung sowie der Entwicklung der Sprache entstehen Folgekosten in den Systemen "Kinder- und Jugendhilfe", "Gesundheit" "Justiz" und "Erwerbsbeteiligung".
Dass eine möglichst frühe Förderung trotz der damit verbundenen zusätzlichen Ausgaben für Kinder unter drei Jahren auch aus ökonomischer Sicht anzustreben ist, wird für den Bereich der frühkindlichen Bildung und Betreuung bereits seit längerer Zeit diskutiert. Ausgaben werden hier nicht als Kosten, sondern als Investitionen in das Humanvermögen einer Gesellschaft betrachtet, die sich langfristig auszahlen.

Wie sich die Förderung in unterschiedlichen Lebensphasen in finanzieller Hinsicht auswirkt, hat der Nobelpreisträger für Ökonomie James Heckman für den Bildungsbereich bereits eindrücklich aufgezeigt, indem er die Bildungsförderung in der Lebenslaufperspektive aus ökonomischer Sicht darstellt. Im Ergebnis verdeutlicht Heckman in seiner Arbeit, welche Bedeutung der Zeitpunkt der Förderung auf die Effektivität und damit die Effizienz der eingesetzten Programme hat. Denn seine Berechnungen zeigen, dass Investitionen in kind- und familienunterstützende Programme die größte Rendite erbringen, wenn diese dem Schulbesuch deutlich vorgelagert sind. Die Erträge sind zudem bei Kindern aus benachteiligten Familien deutlich höher als bei Kindern aus bildungsnahen Familien. (Expertise "Kosten und Nutzen früher Hilfen", Prof. Dr. sc.oec.Uta Meier-Gräwe, Dipl.oec.troph. Inga Wagenknecht)




Was ist das Besondere am „Känguru-Programm“?

„Känguru – jetzt verstehe ich“ ist ein linguistisch basiertes Programm. Es enthält Elemente zur sprachstrukturellen Förderung. Die Kinder erlernen die Regeln der deutschen Wort- und Satzbildung, um Sprache kreativ gebrauchen zu können. Durch den frühen Beginn wird die Phase des intuitiven Lernens genutzt. Die Eltern werden intensiv und aktiv einbezogen, um den Kindern somit indirekt beim Deutschlernen zu helfen. Die Muttersprachkompetenzen der Familie werden wertgeschätzt und unterstützt. Deutschkenntnisse der Eltern müssen nicht vorhanden sein.

Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die die Erfolge bzw. Wirkungen von „Känguru-Kursen“ bestätigen?
Unsere Gespräche mit der Universität Bonn haben gezeigt, dass die Stichproben unrealistisch groß sein müssen. Hinzu kommt die Fluktuation grade dieser Bevölkerungsgruppe. Momentan sind Überlegungen imgange, die gewünschten Erkenntnisse auch über andere Wege zu erlangen.

Derzeit stützt sich das Programm auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Linguistik, auf die eigenen Beobachtungen und das Feedback der Kindergärten. Letzteres  ist sehr positiv und natürlich von besonderer Bedeutung, zeigt es doch dass die Kinder sich sehr schnell integrieren und nicht erst den dreijährigen Bildungsvorsprung der deutschen Kinder aufholen müssen,